Rekolonisation von Südmeer?

Kalifate, das Kaiserreich Südstern und die südlichen Kolonien

Rekolonisation von Südmeer?

Beitragvon Iskatoksi » Di 22 Apr, 2014 09:22

(ooc: So, hier die Abteilung fürs RPG derer, die wollen. Teil der Geschichte zu finden unter http://forum.antamar-community.de/viewtopic.php?f=144&t=12072. Erklärung unter: http://forum.antamar-community.de/viewtopic.php?f=26&p=304670#p304670.

Viel Spaß!)

"Wer die Uhren des Lebens zurückstellen möchte, braucht viel Kraft oder viel List. Vielleicht auch beides. Doch auch mit beidem gibt es keine Garantie auf Gelingen. Also suche auch das Glück. " (Unbekannter alter Mann in Nova Cataia.)
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Re: Rekolonisation von Südmeer?

Beitragvon wyvern » Do 24 Apr, 2014 22:32

  "Endlich" rief er mit unverhohlener Erleichterung aus, als das dichte, schattige Gestrüpp des Dschungels sich lichtete und mit einem letzten, kräftigen Hieb seiner Machete war der Weg durch das Gewirr aus Farnen und Lianen gebahnt. Vor ihm lag der ausgetretene Weg nach Nova Cataia. Bald würde er die windschiefen Hütten und mehrstöckigen Mietskasernen passiert haben. In die nächstbeste Taverne würde er, gleich nachdem ein ansehnlicher Teil seiner Ausbeute zu Gold gemacht worden wäre, einkehren und in einem gemütlichen, weichen Bett mindestens eine Woche durchschlafen. Vor ein paar Monden hatte er in den Strassen von Vellhafen, als er auf dem Weg von Gerlindas Musikschule zu Helmar Gesse, dem Inhaber und Besitzer des kleinen Lädchens, in dem er immer wieder gerne zwischen den Luxuswaren stöberte, aufgeschnappt, daß jemand für gutes Geld, ein paar Schritt Schriftrollen nach Strelasa transportiert haben möchte. Er mochte Strelasa. Diese geschäftige, kleine, im stetigen Wachstum begriffene Stadt stand in seinen Augen Vellhafen in nichts nach und bot zudem den Vorteil, zu jeder gewünschten Tages- und Nachtzeit einfach in jede beliebige Richtung im Grauland zu verschwinden. Vellheim blieb nunmal eine Insel, auch wenn Vellhafen und sein Hafen nie zur Ruhe zu kommen schienen. So sprang er, begleitet vom wilden Geschrei einiger Hafenarbeiter, im letzten Augenblick auf das Deck eines auslaufenden Schiffes und begab sich gleich zu den Kojen. Er hatte die Erfahrung gemacht, daß es besser war, den meissten Teil der Reise zu verschlafen. Auf dem Weg zu den Kojen wollte ein grobschlächtiger Matrose in einem vor Dreck starrenden Hemd, ihm einen unverschämt hohen Preis für die Überfahrt abknöpfen und als er dazu ansetzte sich zu beschweren, hob der Matrose ihn ruckartig hoch und stieß ihn unsanft gegen die Wand. Ohne weitere Worte nahm der Grobian ihm seinen Geldbeutel ab und schritt davon. Zm Glück würde die Überfahrt nur knapp 1 1/2 Tagesreisen dauern.
  Als er am nächsten Morgen mit zugekniffenen Augen an Deck trat und in den Wind starrte, hätte irgendwo am Horizont bereits die Küste zu erkennen sein müssen. Aber da war nichts.
  "Heda", rief er verwundert einem vorbeieilenden Matrosen zu. "Müssten wir nicht schon längst die Küste von Strelasa sehen?"
  "Ay. Allerdings segeln wir nich nach Strelasa. Nu geh ausm Weg, olle Landratte. Ich hab zu tun."
  "Wohin fahren wir denn dann?" Eine Mischung aus Neugier und Unruhe machte sich in ihm breit, doch der Matrose blieb ihm die Antwort schuldig. Die Antwort des Kapitäns ging im schallenden Gelächter der Mannschaft unter, als er darum bat, man möge ihn an der nächsten Küste, wennmöglich in der Nähe von Orstoc, absetzen. So blieb ihm wohl oder übel nichts weiter übrig, als die Tage zu zählen und auf einen Küstenstreifen am Horizont zu hoffen. In einem Beiboot würde er sich dann davon machen. Notfalls in einem leeren Faß. Je früher, desto besser.
  Die Tage verschwammen zu einer Masse an immer wiederkehrenden Aufgaben und Tätigkeiten. Schnell hatte er herausgefunden, wo man sich unauffällig an Deck aufhalten konnte, ohne den ewig fluchenden und spuckenden Matrosen im Wege zu sein. Wenn das Wetter es nicht erlaubte, hielt er sich am liebsten in der Kombüse auf und half dem Koch dabei, schmackhaftes aus den eintönigen Vorräten zu zaubern. Kochen machte ihm viel Spaß und war inzwischen eine seiner Leidenschaften. Immer wenn der Smutje zu sehr mit der Rumbuddel beschäftigt war, "half" er ein bisschen mehr nach, als es seine zugeteilte Aufgabe war. Nachdem der Schiffskoch allerdings herausgefunden hatte, daß immer dann die Mannschaft das Essen überaus lobte, blieb ihm der Zutritt zur Kombüse verwehrt. Dann, eines Abends lief das Schiff in Nova Cataia ein und er stürzte bereits von Bord, juste als die Gangway die Kaimauer berührte.
  Er brauchte ein paar Stunden um sich einen Überblick über die Stadt zu verschaffen. Zum Glück sprach man hier Imperial, allerdings machte ihm das subtropische Klima etwas zu schaffen. So besorgte er sich auf dem Markt, als der Verkäufer kurz abgelenkt war, etwas luftigere Kleidung und hörte sich in der Stadt um. In den kühlen Räumen des Südland-Kontor liess es sich aushalten.
  "Gewürze und seltene Kräuter", hörte er auf der anderen Seite einer aufgestapelten Kistenreihe jemanden sagen. "Ich sag' dir, damit lässt sich eine Menge Profit machen."
  "Hm", brummte jemand.
  "Doch, wirklich! Man braucht sich nur zu recken und das Zeug einsammeln." In der Stimme schwang Begeisterung mit.
  "Und wieso sammelst du dann nich selbst das Zeug ein", frug jemand anderes mit deutlich weniger Begeisterung in der Stimme.
  "Ach", antwortete der erste, "Die ganzen Gewürze müssen gewogen, bewertet und sortiert werden. Darum kümmere ich mich hier. Ausserdem bekommt mir die Feuchtigkeit im Dschungel nicht."
Eine Pause entstand und man hörte das Blubbern einer Wasserpfeife, dann das Rascheln eines Kettenhemdes.
  "Ich mag die Feuchtigkeit auch nich. Rostet mein Kettenhemd immer so schnell. Drecksdschungel."
"Jenachdem, was ihr mir anschleppt, gibt es bis zu einem Gulden pro Korn", lockte die Stimme wieder.
  "Hm", brummte wieder jemand.
  "Die nötige Ausrüstung, wie Macheten und Säcke, liegen da drüben. Ich zeig' euch wo."
Ein paar Kisten quietschten, als sie über den rauhen Boden geschoben wurden. Die Gruppe entfernte sich. Ein Gulden pro Korn? Das klang ziemlich gut. Ein paar Gewürze einsammeln wäre sicherlich leicht verdientes Geld und so schlimm würde der feuchte Dschungel schon nicht werden.
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Re: Rekolonisation von Südmeer?

Beitragvon wyvern » Fr 25 Apr, 2014 15:56

  "Endlich" rief er erneut aus, schlug nach einer baumelnden Liane und schritt Nova Cataia entgegen. Er hatte sich eigentlich vorgenommen, immer in der Nähe der Stadt zu bleiben und nur gerade so viele Gewürze zu sammeln, um seinen Geldbeutel ordentlich zu füllen und eine Überfahrt nach San Aurecciani zu suchen. Die Ewige Stadt war ihm bislang von allen Städten die liebste. Er freute sich bereits darauf, durch die grünen Parkanlagen zu schlendern und den Tag in der Residenz "Zum goldenen Adler" ausklingen zu lassen. Selbstverständlich hatte er ein paar tausend Gulden auf einem Konto der "La Banca della Chiesa" deponiert aber diese waren für ihn momentan ebenso unerreichbar, wie der Mond. Er hatte das Zeitgefühl verloren, aber geschätzt an dem prall gefüllten Seesack und der durchschnittlich an einem Tag zu erntende Menge an Gewürzen, war er doch sicherlich länger als einen Mond im Dschungel geblieben.
  "Durch die Goldene musst du gehn... Medinias reiche Straßen vor dir sehn... wird die ganze Welt gar Asche sein... strahlt hier doch noch ein heller Schein", summte er vergnügt auf dem Weg. Im Geiste ging er die verschiedenen Orte durch, die er aufsuchen wollte. Gleich nachdem er sich in einem der Ordenshäuser gewaschen und rasiert hätte, würde er das Südland-Kontor aufsuchen. Danach sollte er vielleicht endlich ein Konto bei der Imperialen Handelsbank eröffnen. Im Anschluss würde er den Schwarzmarkt oder einen Alchemisten aufsuchen, denn neben den Gewürzen hatte er noch eine beachtliche Menge an Vielblattkraut gefunden, von dem er hoffte, es irgendeinem Händler, Reisenden oder Alchemisten zu verkaufen, da er selbst nicht viel von Alchemie verstand. Und dann sollte er sich dringend in den Straßen umhören und sich auf den aktuellen Stand bringen. Sicherlich gab es einiges interessantes aus Politik und Wirtschaft zu erfahren.
  Wie geplant erreichte er die Stadt, schlich sich in eines der vielen Ordenshäuser, wusch und rasierte sich, säuberte seine Kleidung aktibisch und suchte dann das Kontor auf.
  "Ah! Willkommen, willkommen", sprach ihn gleich einer der Händler im Eingangsbereich an."Ihr seht aus, als wollt ihr etwas kaufen, richtig?"
  "Danke", nickte er. "Aber ich komme geradewegs aus dem Dschungel und habe ein paar seltene Gewürze dabei."
  "Aus dem Dschungel", wiederholte sein Gegenüber gedehnt und musterte ihn dabei eingehend. "Aktuell kaufen wir leider nur von den uns bekannten Lieferanten an. Insbesondere, wenn es jemand...". Eine kurze, aber merkliche Pause entstand. "...hellhäutiges ist", beendete der Händler seinen Satz, den er trotzdem wie eine Frage klingen ließ.
  "Wieso denn das? Meine Gewürze sind doch sicherlich ebenso gut, wie die eines anderen", rief er aus und riss sich den Seesack von den Schultern, öffnete ihn mit einer flinken Handbewegung und schüttete einen Teil des Inhaltes auf die Kiste vor ihm.
Die Augen des Händlers leuchteten gierig auf und er sah sich verstohlen um. "Naja, ein Blick schadet ja nicht, oder?" Der Händler lachte leise und stöberte in dem Sack herum. "Irgendwelchen Wilden unterwegs begegnet", murmelte der Händler, halb im Sack vergraben.
  "Nein, nicht wirklich. Eigentlich bin ich seit Wochen niemandem begegnet."
  "Oh, sogar blauweißen Flexling und eine...". Der Händler unterbrach sich und tauchte mit hochrotem Kopf wieder auf. "Woher kommt diese Opferschale, das Jadeamulett und diese Jadestatuette", zischte der Händler. In seinen Augen war nunmehr die Gier einer unerklärlichen der Angst gewichen.
  "Pack dein Zeug und verschwinde, wenn dir dein Leben lieb ist", zischte der Händler wieder und fuchtelte mit einem kleinen, zierlichen Messer, mit dem man aus Gewürzsäcken Proben entnehmen kann, vom ihm herum.
  "Haha", lachte der Händler ungewöhnlich laut, sodaß einige der anderen, geschäftigen Leute kurz inne hielten und zu ihnen herüber sahen. "Nein, Bitterhilf kaufen wir nun wahlich nicht an", rief er wieder laut und schob ihn nachdrücklich zum Ausgang.
  "Was soll das", fauchte er den Händler ernergischer an, als es seine Absicht war, packte ihn am Handgelenk und verdrehte es ihm schmerzhaft. Er war nicht wochenlang durch den Urwald gezogen um jetzt abgewiesen zu werden. "Ich habe mich von Spinnen beissen lassen, musste mich von Würgeschlangen ernähren", funkelte er den Händler an. "Rede!"
  Gedankenverloren stolperte er durch die Straßen. Jemand rempelte ihn an und instinktiv griff er an seinen Gürtel, an dem ein neuer, prall gefüllter Geldbeutel hing. Der Händler hatte ihm schließlich alles abgekauft und mit ein wenig 'Verhandlungsgeschick' kam er zwar nicht auf die erhoffte Summe von je 1 Gulden pro Korn, aber es würde deutlich ausreichen, um die Überfahrt zu bezahlen und noch die ein oder andere Flasche sehr guten Weines im besten Haus des Landes zu erstehen. Trotzallem grübelte er herum. Irgendein Schamane irgendeines Stammes sei von irgendwem ermordet worden. Von Fremden, wie es wohl hieß. Von hellhäutigen Fremden. Er hatte im Dschungel kaum jemanden getroffen, auf den diese Beschreibung zuträfe. Drei Leopardenjäger und eine unkoordinierte Gruppe von Sklaventreiberjägern, von denen er sich aber distanziert gehalten hatte. Eine zerfledderte Leiche hatte er in einem verfallenen Tempelvorbau entdeckt und ihren Jadeschmuck mitgenommen, bevor er die Leiche ordentlich beerdigte. Wer würde denn irgend einen Schamanen töten wollen und warum. Er beschloß sich in einer der Tavernen einzuquartieren von der er inzwischen wusste, daß sie mit einer der ersten Anlaufstellen für viele Händler und Reisende in der Gegend war, und die Ohren offen zu halten.
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Re: Rekolonisation von Südmeer?

Beitragvon Iskatoksi » Mi 30 Apr, 2014 09:07

Er wartete noch immer. Doch die Geister schwiegen. Inzwischen hatte er die weite Umgebung von Nova Cataia durchkemmt, aber der letzte der Gesuchten schien ihm immer einen Schritt voraus zu sein. Irgendetwas stimmte nicht. Also suchte sich Nacal eine der seltenen Lichtungen im Dschungel und begann diese mit Kreisen und anderen Symbolen zu schmücken. Sicher, ein Schamane war er nicht, aber jeder Julmanc wusste, wie man zumindest einen Grundkontakt zu den Geistern bekommen konnte.

Nachdem die Lichtung vorbereitet war, setzte er sich in die Mitte und begann einige Worte zu murmeln. So vergingen einige Stunden. Wer das von draußen sah, würde es scheinen, als ob nichts passierte. Aber in Wahrheit, ja in Wahrheit - geschah wirklich nichts. Die Geister schwiegen.
Nacal war irritiert. Hatte er einen Fehler gemacht? Waren die Geister böse auf ihn? War er nicht shcnell genug bei seiner Jagd gewesen? Was war los?

Er wollte sich gerade erheben, als er plötzlich eine innere Stimme vernahm. Er kannte sie, denn so hatte die Große Schwester mit ihm schon gesprochen. "Die Geister sind nicht böse. Deine Jagd war gut. Aber mein Reich ist auch das Glück des Unglücklichen. Der Letzte versteckt sich immernoch in Nova Cataia. Aber jetzt benutzt er Amulette. Das ist sein Glück. Er benutzt die Waffen der Geister gegen die Geister. Er hat Hilfe dabei. Nun bist du der Unglückliche, bist in meinem Ozean, und das Pech lehrt dich Geduld. Habe Geduld, es wird ein Zeichen geben! Das wird dein Glück im Unglück sein!" Und damit war die Stimme fort.

Geduld sollte er also haben. Doch wichtiger war die Frage, wer dem Gesuchten da beistand. Wer hatte genug Ahnung, um das so effektiv zu können? Er würde wohl auf das Zeichen warten müssen und die Zeit nutzen, besser zu werden.
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Re: Rekolonisation von Südmeer?

Beitragvon wyvern » Fr 02 Mai, 2014 00:01

  Das Bier vor ihm war inzwischen schal geworden und der Rest eines billigen Essens lag noch auf dem Teller, doch schenkte er beiden keine Beachtung. Vielmehr war ihm sein Kopf auf die Brust gesunken und zwischendurch entwich seiner Kehle ein leiser Schnarcher. Zu dieser deutlich vorgerückter Stunde, als der gesittetere Anteil der Tavernenbesucher längst die Zeche beglichen und die Taverne verlassen hatte, bestand der Großteil der Besucher aus Händlern und Geschäftsleuten der etwas zwielichtigeren Art. Doch er schlief nicht, denn innerlich war er absolut angespannt und lauschte jedem geflüsterten Wort. Doch zu seiner Enttäuschung gab es kein Gespräch über den Aufruhr über den Tod des Schamanen, dessen Inhalt er nicht in groben Zügen bereits gekannt hätte.

Am frühen Morgen wurde er vom Wirt unsanft geweckt, zahlte seinen Thaler für die Übernachtung und dehnte seine Muskeln. Irgendwann war er wohl doch eingeschlafen.
  "Darfs was sein? Ansonsten pack dein Bündel und komm später wieder", murrte der Wirt und zeigte mit dem Kinn auf einen Sack.
In der Nähe lag ein gefüllter Sack auf dem Boden und da er der einzige war, der sich in der Nähe befand, nahm der Wirt wohl an, er gehöre ihm. Er griff den Sack und schaute sich dabei verstohlen um. Der Wirt wäre der einzige gewesen, der ihn dabei hätte beobachten können, doch dieser war bereits dabei den Boden mit einem Besen zu kehren. Wie geboten machte er sich mit dem Bündel davon. Kaum war er ausser Sichtweite der Taverne, bog er in eine Seitengasse ab und überprüfte seinen Fund. Hoffentlich waren es nicht nur die dreckigen Hosen eines tölpelhaften Säufers. Es klapperte, als er den Sack abstellte und vorsichtig öffnete. Er förderte eine kleine Schnitzerei, etwas Bremsenstink, ein paar verknotete Angelhaken mit Schnur, einen seltsamen Echsenkopfschmuck und eine Anzahl Flaschen aus Bronze ans Tageslicht. Keine besondere Beute. Ja, den Sack hätte er wahrscheinlich auch 'ausversehen' in der Taverne vergessen. Vielleicht würde er dafür auf dem Mark noch etwas bekommen.

In etlichen Ständen, die sich in mehreren Reihen, dicht aneinander aufgereiht drängten, boten verschiedene Händler ihre Waren feil. Vom seltenen Buch bis hin zur einfachen Schnitzerei war hier alles vertreten. Alter Wein wurde genauso gehandelt wie dünne Holzplättchen mit wenig Heizwert. Er drängte sich durch die engen Reihen, als ihn jemand anrempelte. Er versuchte gleichzeitig nach seinem Geldbeutel zu greifen, das Gleichgewicht zu halten und nicht in den nächsten Marktstand zu stürzen, doch der flaschengefüllte Sack zog ihn nach unten. Laut polternd stürzte er an einen Pfahl, an dem ein Händler Pfannen und Töpfe aufgehangen hatte, die noch lauter polternd auf ihn hinunterstürzten. Sich entschuldigend floh er vor dem aufgebrachten Händler und murmelte, als er dann in einiger Entfernung war "Pass doch auf, wo du deinen Stand aufbaust", während er den Sack fest zuband.

Ein Wilder, etwa 1.85 Schritt groß mit recht dunkler Haut und mit wenig, aber mit abstrakten Mustern und Symbolen bemalter Kleidung bedeckt näherte sich, offenbar vom Krach angelockt. Er konnte diese Wilden nie wirklich auseinander halten, denn für ihn sahen die irgendwie alle gleich aus. Aber bei diesem hier war neben dem auffällig kahlen Kopf, und der den Körper weitgehend bedeckenden, weißen Strich- und eigenartigen Floraltätowierungen der Holzspeer besonders auffallend - und spitz.
  "Einiges an Dingen, aber keine Bronzeflaschen. Nirgends", hörte er den Wilden halblaut sagen. Was für ein Glück! Wenn jetzt nur nicht die Flaschen bei dem Zusammenstoß gebrochen waren. Schnell durchwühlte er den Sack und stellte erleichtert fest, daß die Flaschen weitgehend unbeschadet geblieben waren. Er räusperte sich zwei Mal laut und der Wilde schaute zu ihm herüber. Freundlich nickte er zu dem Wilden herüber. 'Bloss keine Zähne zeigen. Wer weiss, was das im Urwald noch bedeutet.' Er nickte erneut, achtete darauf auf jeden Fall genug Abstand zwischen sich und dem Wilden, auch wenn sein Speer sicherlich auch zum Werfen geeignet ist, zu halten. Er machte mit der linken Hand eine 'sprechende' Bewegung, mit der rechten zeigt er abwechselnd auf seine eigenen Ohren und seinen Mund: "Du-hu mich ver-steh-hen?" Langsam und gedehnt, als spräche er mit einem kleinen Kind sagte er: "Du - suchst - Flaschen? Ich - habe - Flaschen. Du - tauschen?" Gleichzeitig versuchte er mit Gestik dem Wilden verständlich zu machen, worum es ging.
  Der Wilde stand völlig still, als er antwortete "Ja, ich höre und verstehe."

Ein warmer Windhauch wehte vom Hafen herüber und brachte den Geruch von salziger Meerluft mit sich. Der Wilde legte einen Moment den Kopf leicht schräg und atmete dann durch. "Ich habe schon oft mit denen geredet, die Hellhäuter sind. Ihr könnt normal sprechen, wenn ihr könnt."
  Machte der Wilde sich etwa über ihn lustig? Was sonst meinte er wohl mit 'wenn ihr könnt'? Imperial war seine Muttersprache. Und die beherrschte er ausgezeichnet.
  Der Wilde sprach weiter: "Ja, ich suche die Flaschen aus dem, was Bronze genannt wird." Dann legte er seinen Speer an die Seite und malte einen Kreis in den Sand auf dem Boden.Danach verzierte er den Kreis außen und innen mit einigen absktakten und floralen Mustern. Als er fertig war, stellte er sich in den Kreis, der groß genug war, damit zwei darin stehen können. "Was würdet ihr tauschen wollen?"

In seinem besten, fehlerfreiesten Aurento sprach er den Wilden direkt an. "Mich dünkte, der Wilde erstäche mich sogleich mit seinem Speer, spräche ich ihn nochmals derlei gestaltet an" und konnte sich nicht erwehren, kurz an einen Bühnenauftritt im prächtigen Theater in Nuovo Imperio Aurecciani zu denken. Die Realität holte ihn wieder ein und er räusperte sich kurz. "Streng genommen nehmen die Flaschen mir nur Platz im Gepäck weg und wiegen mehr als die Hinterlassenschaft einer nordländischen..." Er stockte und wusste nicht weiter. Den frechen Händler im Kontor hatte er einfach gepackt und solange geschüttelt, bis er annähernd hatte, was er wollte. Das würde bei diesem Wilden sicherlich keine gute Idee sein. Er war zwar nur ein paar Finger größer, aber abgesehen von dem Holzspeer, sah der Wilde trotzdem nicht so aus, als sollte man mit ihm scherzen. "...Kuh", schloss er seinen Satz und liess ihn wie eine Frage klingen.

Geschenke! Wilde wollen doch immer Geschenke! Schnell griff er in seinen Rucksack und zug das erste daraus hervor, was er in die Finger bekam. Eine Tonflasche. "Hier, die schenke ich dir", "euch", verbesserte er sich schnell.
  Der Wilde stand völlig still im Kreis, als er antwortete. "Ich danke. Kühe habe ich nicht. Aber Felle von Tigern, Bär, Karninchen und Kräuter." Dann packte er die Flasche kurzerhand ein. Sollte er jetzt nicht auch ein Geschenk bekommen? Was war das nur für eine komische Kultur?
  "Tiger, Bär, Kaninchen, Kräuter..." wiederholte er. "Sehe ich aus wie ein Trapper?" Er sah dem Wilden in die Augen. Schnell wandte er den Blick wieder ab. Wer weiss, ob das im Urwald nicht eine Kampfansage bedeutete. Er dachte an seine Wanderung durch den Dschungel zurück. "Gewürze? Wie sieht es mit Gewürzen aus", sprach er den Wilden an.

Der Wilde kramte kurz in seinem Rucksack herum. Schnell reckte er den Hals, um besser zu sehen, was der Wilde da alles in seinen Taschen hatte. Der Wilde holte etwas Süßholz hervor, einiges an Tabak und blauweißen Flexlingen, sowie zwei Rubine.
  Wieder nickte er dem Wilden zu. "Das sieht doch schon mal nicht schlecht aus."
Der Wilde legte die Ware in einen kleineren Kreis, den er mit einem Steinmesser, dass ähnlich verziehrt war, wie die Kleidung, Rüstung und der große Kreis und setzte auch um den kleineren Kreis ein paar Zeichen. Dann stellte er sich wieder ruhig hin. "Gut, wenn euch gefällt, was da ist."
  Was nun? Die Schriftzeichen kamen ihm unbekannt vor. Was sollte das bedeuten? Wieso konnte der Wilde nicht einfach sagen, wieviele Flaschen er für seine Waren haben wollte? "Puhh", entfuhr es ihm. "DuIhr machst mir das aber auch nicht leicht, was?" Wozu sollten die Kreise sein und was bedeuten die Muster?
  Der Wilde nickte, als er erkannte, wohin er schaute. "Der Ritus des Tausches. Keine Angst, es ist keine Zauberkunst. Die Geister verlangen einen klaren Tauschplatz."
So war das also. Er kramte in dem Sack herum und legte eine der Bronzeflaschen in den Kreis und wartete ab. Der Wilde war schwer zu lesen. Schnell legte er noch eine Flasche in den Kreis. Wieder keine Reaktion. Eine weitere Flasche landete im Kreis. Hoffentlich hatte er genug Flaschen dabei, bevor der Wilde auf die Idee käme, ihm kurz zu zeigen, was man alles mit dem Speer anstellen könnte.

Der Wilde schaute auf die Flaschen, schien kurz zu überlegen und hob dann beide Hände und zeigt 8 Finger. "Ich denke, das wäre interessant, wenn es möglich ist." Ansonsten stand er weiter still da.
Schnell legte er weitere fünf Flaschen in den Kreis. Oder meinte der Wilde 'zusätzlich acht Flaschen'? "So in etwa", frug er. Der Wilde nickte nach kurzer Zeit. Was jetzt? Gab es hier eine Abschiedsfloskel, die nach einem Handel angebracht war? "Ich hätte noch ein paar...", begann er. Ob er dem Wilden Traumpilze verkaufen könnte? Andererseits würde der Wilde ihn wahrscheinlich aufspießen. Insbesondere, wenn er von der nächsten Patrouille kontrolliert und eingekerkert werden würde.
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Re: Rekolonisation von Südmeer?

Beitragvon wyvern » Fr 02 Mai, 2014 11:51

"...Dinge?", schloss er den Satz und verschaffte sich damit ein paar Augenblicke Luft. "Ich hätte noch diesen tollen, goldenen Echsenkopfschmuck. Auf sowas steht ihr doch, oder?"
  "Manche Stämme brauchen das zu bestimmten Dingen der Schamanen. Ihr könnt es mir geben, ich reiche es einem Stamm weiter", erwiderte der Wilde ruhig. "Ich bin von Julmanc, Stamm des Farns. Wir benutzen das nicht, wir sind Julmanc."
  "Julmanc, Stamm des Farns", wiederholte er und war sich nicht bewusst, daß er in dem Moment wie ein Papagei klang. Er nickte langsam, als er über die Situation nachdachte. Plötzlich glomm ein erschreckender Gedanke in ihm auf. "Also", begann er zögernd. "Ich will nicht, daß es so aussieht, als würde ich mich bei irgendeinem Stamm dafür entschuldigen wollen, daß irgendein Schamane..."
  Eine kleine Gruppe anderer Waldmenschen kam mit diversen Gegenständen beladen über den Markt. Als sie den Wilden sahen, blieben sie einen Moment stehen, sahen sich gegenseitig recht verunsichert an und gingen dann in deutlich repsektvollem Abstand um ihn und seinen Kreis herum.
  Er blickte etwas irritiert der Gruppe von Wilden hinterher und versuchte dann eine Reaktion aufgrund seiner bisherigen Worte von dem Wilden abzulesen. "...tot umgefallen ist", beendete er schließlich seinen Satz. Hatte der Wilde etwa nichts davon gehört? Er hatte bisher angenommen, daß die Stämme untereinander kennen und über Vorfälle - insbesonderer wenn sie dieser Art waren - sprechen. Er beugte sich verschwörerisch vor. "Du hast doch auch davon gehört, oder?", flüsterte er. Ein quälend langer Augenblick verstrich. Hatte der Wilde nicht gerade die Augen zusammengekniffen? Dachte er etwa, daß ER einer der hellhäutigen Mörder wäre?
  "Bei Iatan", entfuhr es ihm. "Das war doch nicht auch einer von deinen Leuten? So ein Farn-Schamane?" Bei dem Wort 'Farn' schwankte er wie ein Farn im Wind, um seine Worte zu untermalen. Das auretianische Publikum wäre begeistert gewesen, doch hier entlockte es seinem 'Publikum' nicht mal ein Stirnrunzeln.
  Der Wilde reagierte erst nicht, dann sagt er: "Die Geister und die große Schwester sagen nicht, dass sie dich suchen. Es ist kein Grund für Entschuldigungen." Sein Wanken ignorierend fuhr er fort: "Nein, der Schamane war Kusambé. Die Geister sagten, dass vier Leute ihn töteten. Sie zeigten ihre Gesichter. Deins ist nicht dabei." Nach einer kurzen Pause fügte er "Du bist nicht Beute der Jagd" an.
  "Ja", nickte er. "Der nette Händler vom Südlandkontor meinte soetwas in der Art." Er blickte sich um und frug: "Und deine Schwester ist auch hier?", blickte dann den Wilden an. Hoffentlich hielt er das nicht für Werberei! Er schluckte trocken und fügte hastig hinzu: "Entschuldigung, ich wollte dich nicht beleidigen. Ich kenne deine Schwester ja gar nicht." Wahrscheinlich wäre sie über und über mit gräßlichen Fratzen tätowiert, einen oder gar zwei Köpfe größer als er und brächte jeden Abend den blutigen Kadaver einer aufgespießten Urwaldmonstrosität ans Feuer, wo er, ausgelacht von den anderen Wilden, versuchen würde etwas halbwegs schmackhaftes zuzubereiten, während der Rest des Stammes die Fetzen roh und blutig herunterschlingen würde.

  "Die große Schwester ist immer da. Sie ist der Ozean, das Dunkel, das lehrende Pech, der Tod, das Glück des Unglücklichen." Der ganze Tonfall des Wilden wies auf eine Art Ritual hin, mit welchem der Spruch aufgesagt wird. "Und was weiß der Händler?", setze er nach.
  "Der weiss eigentlich nichts. Angst hat er. Und will nur noch mit bekannten Händlern handeln", antwortete er und stellte noch ein paar Flaschen in den Kreis, verwischte dabei aus Versehen ein paar der Konturen. Schnell zog er die Linien mit einem Federmesser, welches er kurz aus seiner Hosentasche holte, wieder nach. "Hellhäutige sollen es gewesen sein."
  Der Wilde nickte. "Die Gesichter, die die Geister brachten, waren hellhäutig."
  "Ich kann mir vorstellen, daß auf die Jungst ein hübsches Kopfgeld ausgesetzt ist, was?", hakte er nach. Vielleicht liess sich hier doch noch etwas mehr verdienen. Manchmal hatten diese Wilden ja mehr als nur Glasperlen und einfachen Jadeschmick dabei, wie die beiden Rubine im Sand bewiesen.
  "Drei von den Vier sind bereits bei den Geistern. Der vierte, verbirgt sich."
  "Oh", brummte er gedankenverloren. Dann dämmerte ihm, was der Wilde gerade eigentlich gesagt hatte. "OH!", entfuhr es ihm.
  "Kein Kopfgeld, Kopfjagd. Der Kopf gehört den Geistern, sein Leben der großen Schwester! Er forderte sie, als er tötete."
  "War das denn ein besonderer Schamane? Oder war er reich? Oder fehlt etwas aus seinem Besitz?" Gedankenverloren wanderte er ein wenig auf und ab und grübelte.

Der Wilde schien etwas irritiert zu sein. "Jeder Schmane ist besonders, denn er ist Schamane. Er war reich an Fähigkeit und Wissen, reich an Freundschaft mit den Geistern. Ja, sie nahmen seine Gegenstände mit. Aber die werden ihren Weg zurück finden. Die Hellhäutigen töteten, als er mit den Geistern sprach."
  "...als er mit den Geistern sprach", wiederholte er. "Was bedeutet das?"
  "Er sprach mit ihnen in ihrem Reich, dass er mit Tabu belegt hatte. Ihr Reich zu betreten ist Grund genug. Das Gespräch zu stören ist mehr Grund! Ihr fragt, als wäret ihr ein Kind. Reden eure Prister nicht auch mit ihren Geistern und Göttern? Was würde sein, wenn ein Prister dabei getötet wird?"
  "Das kommt ganz auf den Priester und die Gottheit an, würde ich meinen", murmelte er. Dann sprach er lauter, um den Wilden nicht zu verstimmen: "Gut, ich verstehe", auch wenn er gar nicht so viel verstand. "Mir sind nicht alle dieser Metaphern von Geistern und Schwestern geläufig, daher frage ich vielleicht wie ein Kind." Er verbeugte sich höchst anmutig. Zumindest wäre der auretianische Hof entzückt. Hier wirkt es jedoch ziemlich fehl am Platz.
  Der Wilde nickte kurz. "Ja. Aber es ist besser zu fragen, als dumm zu sterben."
  "Mein Reden, mein Reden", nickte er erfreut, als hätte er plötzlich einen alten Freund entdeckt. "Ich seh' schon, wir sind gar nicht so verschieden, hm?" Er grinste schief. "Und von diesem vierten Halunken hat die große Schwester das Gesicht gesehen? Vielleicht sollte man die Stadtwachen..." Er liess den Rest seiner Frage offen, da er nicht wusste, wie der Wilde den Stadtwachen gegenüber gesonnen war.

Der Wilde machte eine etwas eigentümliche Geste mit der Hand, wobei die Finger zwei kleine Kreise in die Luft malten. "Wir sind zwei Kreise." Dann seufzte er. "Die Wachen werden die große Schwester nicht hören. Sie spricht zu den Schamanen, sie spricht zu Julmanc. Ich werde das Gesicht finden. Und damit ihr versteht, die Große Schwester ist keine Person. Ihr habt eine ähnliche Grundlage? Nergas?"
  
"Ah. Hmja. Irgendwie schon. Ich hatte mit Theologie noch nie so viel zu schaffen. Aber ich verstehe die Richtung." Die Große Schwester war also soetwas wie eine Gottheit dieses Stammes. Er grübelte über das Gesagte nach. Plötzlich starrte er den Wilden an. "Wenn du sagst, DU wirst das Gesicht finden und drei der vier Halunken bereits tot sind..." Er wich mit dem Oberkörper ein wenig zurück, seine Füße bleiben jedoch unbewegt, um den Wilden nicht zu verärgern. ...hast DU etwa..." Er liess den Satz unbeendet und blickte sich konzentriert um. "Die sperren dich weg, wenn das raus kommt. Das ist dir schon klar?", flüsterte er dem Wilden zu.

  "Seht, die anderen Stämme, Stamm des Panther, Stamm des Krokodil, Stamm des Bären ... Jumancstämme, Stamm des Farn, Stamm des Mooses, Stamm des Pilzes. Die anderen fürchten die große Schwester. Wir dienen den Geistern und ihr." erklärte der Wilde ruhig, ohne ein Anzeichen von Reaktion aufgrund seines Zurückweichens. "Wie sollen sie einsperren, was sie nicht sehen?"
  'was sie nicht sehen?' Wohl eher 'was sie nicht wissen'. Das war es dann also. Der Wilde würde keine Zeugen brauchen können und ihn wahrscheinlich gleich mit einer giftgetränkten Nadel stechen. Sein Schädel gäbe dann höchstens noch eine hübsche Schale für irgendwelche Waldbeeren ab.

  Er wich einen Schritt zurück und streckt seine linke Hand in abwehrender Geste vor sich: "Hey, von mir erfährt niemand etwas!" Schnell machte er eine 'Reißverschluß'-Geste mit der rechten Hand und fuhr sich über den Mund "Zzzzuuuupp... Ganz still, ok?" Er liess die Hände sinken und trat wieder etwas näher, musterte den Wilden von unten und frug: "Wir sind doch d'accord, richtig?"
  Der Wilde verließ relativ flüssig den Kreis nach hinten. "Ich sagte schon, ihr seid nicht Beute der Jagd. Wir folgen den Geistern und der großen Schwester. Für Beute braucht es einen Grund. Da sind wir anders als viele Hellhäutige."
  Er entspannte sich etwas. Wussten diese Wilden denn nicht, wie man log? "Irgend ne Idee, wo der vierte Halunke hin ist? Nur damit ich Bescheid weiss, wenn ich dem mal über den Weg laufen sollte, meine ich."
  Der Wilde schüttelte den Kopf. "Noch nicht. Er war in Vellhaven. Er floh hier her. Er versteckt sich."
  "Von Vellhafen hier her, um sich zu verstecken. Wer macht denn sowas?", grübelte er laut. "Das bedeutet, daß er nicht von Vellheim kommt oder es in Vellhafen nicht mehr sicher genug war. Das wiederrum würde bedeuten..." Er stockte. "Ist bei den Sachen, die die mitgehen liessen, irgendwas auffälliges dabei gewesen? Vielleicht kommt man dem ja so auf die Spur."
  "Nichts, was für die, die nicht wissen, erkennbar wäre. Die Sachen werden ihren Weg finden. Wenn ihr von einem Rudel verfolgt werdet, wo wird es nicht suchen? In seinem Bau!"
Er musterte den Wilden.
  "Aber die Geister suchen überall. Ich werde ihn finden." Der Wilde sah sich kurz um und schien etwas gesehen oder gehört zu haben, denn jedenfalls beginnt er seine Sachen zusammenzupacken.
"Falls ich was herausfinden sollte, wo kann ich dich finden?", hakte er nach.
  "Die Geister werden es wissen. Dann finde ich dich.", erhielt er als knappe Antwort. Dann machte der Wilde einige Gesten in die Luft, worauf er in die Menge abtaucht. Eigenartig schien, dass er und seine Tiere einen Moment lang zu verschwimmen schienen. Dann bog er um eine Ecke und war weg. Die anderen Waldmenschen wirkten in dem Moment deutlich ruhiger als vorher.
"Komischer Kerl", murmelte er, packte die auf dem Boden liegende Handelsware ein und schickte sich an, diese beim nächsten Edelsteinhändler schätzen zu lassen.

Spoiler:
Zusammengeschrieben aus dem Strassengeplauder. Natürlich deutlich aus meiner Sicht. Wäre an der Stelle sicher witzig, die Geschichte aus der anderen Sicht zu lesen...
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Re: Rekolonisation von Südmeer?

Beitragvon Iskatoksi » Di 20 Mai, 2014 09:10

Es war kompliziert. Nacal hatte inzwischen die Grundlagen der Schrift gelernt und festgestellt, dass sie den zeichen, die die Makuewa verwendeten eigentlich nicht unähnlich waren. Sie waren in ihren Bedeutungen nur strukturierter und eingeschränkter, weniger bildhaft. Er verstand, warum die meisten, die wie er versuchten, schreiben zu lernen, Probleme hatten. Nun waren die Symbole der Julmanc ebenfalls eher abstrakter Natur, was ihm beim Lernen nun half. Aber ... es war kompliziert. Er hatte bisher nur die Grundlagen der Schrift gelernt.

Doch diese Grundlagen reichten aus, um ein einfaches Rezept, wie das des Vielblattsuds zu lesen. Sicher, die Schamanen kannten diesen Trank auch ohne dieses Stück Papier, doch war es tatsächlich so, dass die Art der Zubereitung sich ein wenig unterschied. In der Wirkung sollten die beiden Arten des Trankes vergleichbar sein, aber die Methode der Hellhäuter bot den Vorteil, dass sie ein wenig schneller war, wenn man die passenden Werkzeuge hatte. Ein weiterer Vorteil waren die Bronzeflaschen, in denen der Trank länger gelagert werden konnte. Bei den Stämmen wurde der Sud eigentlich nur frisch verwendet.

Nacal tauschte also bei den Händlern die gelben Metallplättchen gegen alchemistische Utensilien, ließ sich dazu zeigen, wie man sie verwendetet, und versuchte dann Bronzeflaschen zu finden. Er würde, wenn er das Verfahren gut genug beherrschte, seinem Schamanen davon berichten und das Wissen weitergeben. Die Hellhäuter mögen Sklavenhalter sein, Landräuber und Mörder, aber dass sie auf einigen Gebieten zumindest mehr wussten und konnten, war nicht zu bestreiten. Und da weder die "Große Schwester" noch die Geister protestierten, war der Plan das zu lernen und weiterzugeben wohl gut. Tja, einziges größeres Problem?

Keiner der Händler hatte Bronzeflaschen! Es schien in der ganzen Stadt keine zu geben! Sicher, der Alchemist besaß einige, aber die wollte er nicht verkaufen, es sei denn, es wäre ein Trank darin. Und dann war der Preis ganz sicher zu hoch, soviel war selbst Nacal klar! Und so schlenderte er wieder über den Markt, auf sein Glück hoffend.

"Einiges an Dingen, aber keine Bronzeflaschen. Nirgends", stellte er gerade fest, als er Lärm hörte. Offenbar hatte jemand Schwierigkeiten mit seinem Warensack. Da es darin auch metallern klackte, kam Nacal näher! Da stand ein Hellhäuter, etwa 1,80 Schritt groß durchschnittliche Figur und mit diversem Schmuck behangen. Selbst die Frauen in seinem Stamm würden nicht so viel Zeug tragen! Entweder warten diese ganzen Ringe, Amulette und Ketten wenigstens teilweise magisch und boten so Vorteile, oder dieser Herr mochte Schmuck mehr, als gut für ihn war. Aber das konnte Nacal im Moment völlig egal sein. Interessant war, was sich in dem Sack befand!

Als er nun näher herankam, wurde Nacal von dem Fremden bemerkt. Jener musterte ihn kurz und schien dann beschlossen zu haben, einen gewissen Mindestabstand zu halten. Jedoch dann hob er eine Hand, führte sie zu Mund und Ohren und fragte in einzelnen Worten, ob er verstanden würde. Da er Imperial verwendet, versteht Nacal, stellt sich ruhig hin und erwidert "Ich höre und verstehe!". Dann erklärte er, dass er schon öfter mit Hellhäutern zu tun gehabt hat, und der Fremde, so er selbst die Sprache gut genug konnte, ruhig normal sprechen könne. Einen Moment lang schien es ihm allerdings, als ob der Fremde etwas, hm, pikiert gewesen wäre, ob der Annahme, er könne die Sprache nicht. Nacal war das recht gleich. Immerhin hatten ja auch die Hellhäuter verschiedene Sprachen und er konnte nur schwer erraten, welche davon nun dessen Heimatsprache gewesen wäre. Er behielt das im Hinterkopf und sprach weiter.

"Ja, ich suche die Flaschen aus dem, was Bronze genannt wird." Und dann vollführte er den Ritus des Handels. Er zeichnete einen großen Kreis auf den Boden und umgab ihn mit den vorgeschriebenen Bildern und Mustern. So schuf er einen sicheren Platz, an dem die strangen Regeln des Tausches absolut heilig waren! Strebe einen gerechten Tausch an! Kämpfe nicht! Ehre dein Gegenüber auch wenn du sein Angebot nicht magst! Als der Kreis vollendet war, fragte er, wogegen der Fremde denn tauschen wolle.

Was nun kam, war, aus Nacals Sicht, nahezu grotesk! Der Fremde sprach plötzlich in einer Art, die Nacal zwar interpretieren konnte, so aber auch noch nie gehört hatte. Dem Sinn nach, fürchtete der Fremde wohl, dass Nacal ihm befkämpfen würde, wagte er es erneut zu unterstellen, er würde nicht verstehen. Offenbar war sein Eindruck richtig gewesen. Der Fremde konnte Imperial und hatte seinen Nachsatz "wenn ihr könnt!" als verletztend erachtet. Gut, das war zwar nicht der Tausch, den Nacal hätte machen wollen, aber sie waren in dem Punkt quit. Denn für ihn war es ebenso befremdlich, dass jemand, nachdem der Ritus des Handels befolgt wurde, denken könnte, er, Nacal würde die Regeln brechen!

Dann stellte der Fremde fest, dass Flaschen bei ihm nur Platz wegnähmen und sprach dann von einer Kuh! Einer Kuh? Nacal wollte keine Kuh und hatte auch keine. Auch der Fremde schien keine Kuh mit sich zu führen, weshalb Nacal vermutete, dass er Kühe braucht. Dann bot der Fremde eine Tonflasche als Geschenk an. "Ich danke. Kühe habe ich nicht. Aber Felle von Tigern, Bär, Karninchen und Kräuter.", erwiderte darauf Nacal. Und wieder schien der Fremde etwas irritiert. Es dauerte eine Weile, bis Nacal in den Sinn kam, dass der Fremde offensichtlich keine Ahnung vom Ritus des Handels hatte. Geschenke wurden mit Ehre und einem besseren Angebot vergolten. Gegengeschenke wären ja keine Geschenke mehr, sondern ein Tausch, eine Handel!

Wie recht er hatte, sollte sich nur wenig später zeigen. Sie einigten sich darüber, Bronzeflaschen gegen diverse Kräuter und Rubine zu tauschen. Felle wollte der Fremde dagegen nicht. Und als Nacal die ware in den Kreis legte, beäugte der andere sein Tun mißtrauisch! Wahrlich, dieser Hellhäuter hatte nicht den Hauch eine Ahnung! Aber woher hätte er den auch haben sollen? Die meisten hellhäuter interessierte nur, was ihnen einen Vorteil brachte. Die Riten der Makuewa gehörten vermutlich nicht dazu! Also versichterte Nacal erst einmal, dass keine Gefahr bestände und, dass es nur um den Handel ginge! Tatsächlich schien den anderen das zu beruhigen!
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Re: Rekolonisation von Südmeer?

Beitragvon Iskatoksi » Di 20 Mai, 2014 09:30

Dann begann der Handel von Informationen. Nacal bot einige Gegebenheiten aus seinem Stamm, erzählte von der "Großen Schwester", die der Fremde ezunächst für eine Person zu halten schien, von den Geistern, Tiergöttern und mehr. Der Fremde bot dagegen Erzählungen darüber, was in der Stadt über den Mord an dem Schamanen bekannt war. Das war herzlich wenig, aber es war genug, um auch diesen Handel fair erscheinen zu lassen. Mehrmals musste Nacal versichern, dass der andere nicht Ziel seiner Jagd war. Offenkundig hatte der Fremde gehörig Angst. Dass die anderen Waldmenschen, die zwischendurch den Markt betraten, einen respektvollen Bogen um Nacal machten, wie es sich gehört, wenn man nicht Julmanc war, verstärkte offenbar diese Wirkung noch.

Er fand es fast schon belustigend, als dem Fremden aufging, dass die "Große Schwester" eine Göttin ist und dass er hier die Schuldigen suchte, um sie zu bestrafen. Der Fremde befand, es sei gefährlich, da ihn die Stadtwachen einsperren könnten! Welche ein Narr, wenn ein Julmanc nicht gesehen werden wollte, würde man ihn auch schwerlich entdecken. Es war zwar nicht unmöglich, aber ganz sicher schwer!

So schloß sich der Handel und, wie zum Beweis seiner Worte, verschwand Nacal in der Menge. Der Fremde hatte noch gefragt, ob er bei der Suche helfen könne, und wie Nacal zu erreichen wäre. Wie gesagt, ein Narr. Die Geister werden ihn erreichen, wenn es etwas zu sagen gibt. Aber das Hilfsangebot konnte ja nicht Schaden.
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Re: Rekolonisation von Südmeer?

Beitragvon wyvern » Fr 12 Sep, 2014 17:35

Er wurde nicht ganz schlau aus der Sache. Bei einem Glas billigen Wein, saß er im Halbschatten und versuchte die einzelnen Informationshappen zusammenzufügen. Der Wilde hatte ihm gesagt, der hellhäutige wäre von hier nach Vellhafen geflohen und dann wieder hierher zurück gekommen. Jetzt hatte er herausgefunden, daß der einzige hellhäutige Mann, der sich in letzter Zeit auffällig verhalten hatte, wieder abgereist war. Nach Vellhafen. Schon wieder. Das ergab in seinen Augen keinen Sinn. Er konnte verstehen, daß der Mörder nicht in den Dsschungel flüchten oder hier in der Stadt bleiben würde. Aber genau das war wiederrum das seltsame. Er war doch bereits meilenweit weg, um dann doch wieder hierher zurück zu kommen? Das ergäbe nur Sinn, wenn es in Vellhafen gefährlicher wäre als hier. Aber solange dieser Wilde hier wäre, wäre es wohl überall woanders sicherer. Wenn der Wilde nun hier war und der Mörder wieder abgereist war, steckte dahinter schon eine gewisse Logik. Das Problem an der Sache war nur: wieso war der Mann ausgerechnet wieder nach Vellhafen gereist? Warum nicht nach Santo Tiberio, Eisentrutz oder gar Nordahejm? Er stürzte den Wein hinunter und machte sich auf den Weg zum Hafen. Vellhafen...

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Re: Rekolonisation von Südmeer?

Beitragvon Iskatoksi » Mi 17 Sep, 2014 11:00

Langer Zeit war seine Suche nach dem 4. Mann erflglos geblieben. Er war wie vom Erdboden verschwunden. Das es nicht einfach sein würde, war Nacal ja klar gewesen! Aber so schwer hätte es doch nicht sein dürfen, oder? Was allerdings noch irritierender war, war dass sich weder die Gesiter noch Große Schwester beschwerten! Der Auftrag bestand noch, aber sie blieben unheimlich still.

Irgendetwas stimmte nicht! Der Schutz dieses Opfers musste geradezu erstklassig sein! Oder es gab einen anderen grund, warum die Geister schwiegen. Nacal würde sich bald in den Urwald zurückziehen und dort jedes Ritual zur Sammlung und Geisterbefrageng abhalten, dass er kannte! Diese Situation war unschön. Und es bestand die Gafahr, dass der Ruf der Julmanc beschädigt wurde. Das durfte auch nicht geschehen! Soviel war klar!
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