Die Halle der ewigen Zocker

Die Halle der ewigen Zocker

Beitragvon Platinum » Mo 17 Mai, 2010 06:43

Das Prinzip:

1. Einen echten Spiele-Klassiker oder eine eher unbekannte Perle aus den guten alten Zeiten der PC- und Videospiele mit einer kleinen Kritik/Erfahrungsbericht vorstellen. Am besten Spiele, von denen ihr denkt, dass man sie unbedingt gezockt haben muss.

2. Ein neueres Spiel vorstellen, das man bereits gezockt hat oder das man noch (vielleicht) zocken will.

3. Ring frei für Diskussionen!!! :wink:


Mein Klassiker, den man unbedingt mal gespielt haben muss?
Grim Fandango
http://www.youtube.com/watch?v=hV1NBHL9Fa4
Mein Meinung?
DAS beste Spiel, das ich je gespielt habe und immernoch eines meiner Lieblingsspiele! Seit 12 Jahren spiele ich es mindestens einmal im Jahr durch und es verliert nie seinen Reiz und gewinnt vielmehr jedesmal an Nostalgie-Wert.

Zum Spiel selbst:
Einer der letzten Vertreter der guten, alten Adventure-Games aus dem Hause Lucas Arts, also in der Tradition von Spielen wie Zak McKrakken oder der Monkey Island-Reihe. Grafik und Steuerung sind allerdings anders, es ist kein Click-Point-Adventure (CPA), sondern funktioniert mit Tastatur. Wen das zuerst abschreckt: Es fühlt sich richtig an und funktioniert auch wunderbar, verglichen vorallem mit einem anderen Spiel des Herstellers *hust*
Die Welt, in welcher die Geschichte von Grim Fandango spielt, ist das Land der Toten, aber zur eigentlichen Geschichte kann man sich anderswo ausreichend informieren, vorallem will ich dazu auch überhaupt nichts spoilern, das ist bei diesem Spiel zu schnell passiert.
Die Rätsel im Spiel sind für eingefleischte Zocker von CPAs sicher nicht so fordernd. Wer LOOM zu leicht fand, wird den GrimF-Rätseln ohnehin nicht viel abgewinnen können :lol: Ich wage aber zu behaupten, dass es dem Spiel gut tut und letztlich die richtige Balance gefunden hat, um die Geschichte nicht zusehr durch Knobeleien zu unterbrechen. Dennoch gibt es meiner Meinung nach ein, zwei Nüsse, die wirklich hart zu knacken sind!
Die Charaktere allerdings sind alle liebenswert ohne Ausnahme, die gesamte Atmosphäre ist atemberaubend und fesselnd. Ständig fühle ich mich bei diesem Spiel so, als säße ich im Kino-Sessel. Das latein-amerikanische Setting hat seinerzeit meine Liebe für die spanische Sprache geprägt und das film noire-Feeling hat einfach Stil. Zudem einer der besten Soundtracks für Videospiele aller Zeiten.
Die Geschichte selbst ist genau so, wie sie im Trailer beschrieben wird: Episch! Und dennoch kommt der Humor niemals zu kurz, ohne aufgesetzt oder fehl am Platz zu wirken. Ohnehin ist die Unterwelt so bizarr und doch gleich in ihrer eigenen Logik so stimmig, dass ich bis heute auf eine Verfilmung warte :D

Hector: "Oh Manny! Wie Zynisch! Was ist bloß passiert, dass du deine Lebensfreude verloren hast?" - Manny: "Ich bin gestorben!"

Wer also gerade Day of the Tentacle durchgezockt hat und sich langweilt, oder wer von sich behauptet, alle Games zu kennen, die es wert sind, gekannt zu werden: Besorgt euch Grim Fandango und spielt eines der besten Spiele, die je gemacht wurden!


Gerade bestellt habe ich mir Heavy Rain und erwarte es dieser Tage. Ich erwähne beide Spiele auch aus gutem Grund hier zeitgleich.
Ich gehe im Prinzip davon aus, dass jeder einmal von Heavy Rain gehört hat in jüngster Zeit.
Worauf ich hinaus will ist, dass Heavy Rain oft als interaktiver Film bezeichnet wird und angeblich so packend sein soll, wie kein Spiel zuvor. Das hat mich natürlich gleich neugierig gemacht. So neu, wie man uns glauben mach will, ist das Konzept ja nicht, ich glaube sogar das selbe Entwicklerstudio hat auch Fahrenheit entwickelt (?). Das war seinerzeit auch schon wie ein Film aufgebaut, ich erinnere mich aber noch, dass es nachher etwas seltsam wurde. :P
Daher die Frage, ob es schon jemand hier gespielt hat? Wenn ja, interessiert mich natürlich, wie ihr das Spiel fandet, aber vorallem auch die Frage:
Hat euch das Spiel emotional mehr gefesselt, als alle anderen Spiele, die ihr davor gespielt habt?


Spoiler bitte auch spoilern, die kann ich mir dann durchlesen, wenn ich's selbst gezockt habe :mrgreen:

Ok, soviel dazu, Ring frei :wink:
Spoiler:
"Oh Manny! Wie Zynisch! Was ist bloß passiert, dass du deine Lebensfreude verloren hast?"
"Ich bin gestorben!"


Die Karikatur ist eine Huldigung, welche die Mittelmäßigkeit dem Genius darbringt.

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Re: Die Halle der ewigen Zocker

Beitragvon Platinum » Mi 19 Mai, 2010 03:16

Ok, Heavy Rain ist durchgezockt.

Mein spoilerfreies Fazit zum Spiel:
Fesselnd war es definitiv. Die Grafik ist klasse, der Soundtrack auch und die ständigen Quickt Time Events sind tatsächlich nicht störend, was zuerst meine Befürchtung war. Die Story und die Art, wie sie gespielt/erzählt wird, erinnern tatsächlich stark an einen Film. Es gab tatsächlich eine ganze Reihe von Szenen, auf die ich so auch in einem Videospiel noch nie getroffen bin bzw. Dinge, die ich nie zuvor in einem Spiel getan habe/tuen konnte/tuen musste.
Es gibt aber definitiv für mich einige Knackpunkte, vorallem die Steuerung in jenen Sequenzen, in denen ich frei gehen kann und die Kameraeinstellungen. Bei den Kameraeinstellungen hat man sich auch stark Mühe gegeben, um sie filmisch wirken zu lassen und ja, das tun sie auch. Aber: Es ist und bleibt ein Spiel und für ein solches waren sie oft kontraproduktiv, verwirrend oder schlicht einfach neben der eigentlichen Aktion und haben mich einige male doch stark gestört.
Die Story hat auch Löcher, wie ein Schweizer Käse und am Ende des Spiels blieb ich mit vielen Fragen zurück, auf die ich aber nur im Spoiler Abschnitt Bezug nehme.

Vorsicht! Wer das Spiel noch nicht hat und es noch spielen will, sollte den Spoiler-Abschnitt auch auf keinen Fall lesen!

Spoiler:
Ethans Blackouts werden niemals erklärt und logisch eingebunden. Sie bleiben so schieres Mittel für eine Finte in der Story und schaffen eine unglaubliche Unlogik. Das gilt genauso für die Origami-Figuren, die er dann in der Hand hat oder weshalb er von Ertrinkenden träumt, alles konstruiert, billig und erklärungsfrei, somit nicht logisch und das erscheint mir bei den Ansprüchen/Versprechungen der Macher doch wirklich enttäuschend. :|
Wann hat Scott den alten Manfred erledigt? Ich habe die Szene doch gespielt, sollte ich als Spieler es da nicht wissen? Wieso ermittelt er eigentlich überhaupt, wenn er der Killer ist? Als Deckmantel? Wofür, wenn seine Identität so gut verschleiert ist? Und weshalb ermittelt er dann gegen den Sohn des Mannes, dem zufälligerweise die selbe Baustelle gehört, auf der sein Bruder ertrank und dessen Sohn auch zufälligerweise dem Origami-Killer nacheifert? (Wieso lebt eine Familie auf einer Baustelle, frage ich erst garnicht... :roll: )
Ich kenne doch außerdem seine Gedanken...?
Dann die Sache mit den Bahn-Gleisen. Dieser Hinweis scheint auch irgendwo ins Nichts geführt zu haben und erfährt keinerlei logische Erklärung oder ich habe eine Anspielung in der Richtung verpasst.
Was genau ist eigentlich mit den anderen Vätern, die verschwunden sind, abgesehen von dem Ladenbesitzer, den man trifft? Sind sie gestorben? Wieso hat niemand ihr Verschwinden der Polizei gemeldet? Und wenn sie bei der Lösung der Prüfungen gestorben sind, hat Scott dann nicht im Prinzip den Vater, der sein Leben gibt, um seinen Sohn zu retten, bereits mehrfach gefunden?! Und wieso zum Geier will er ihn dann töten, die Frau auch, aber den FBI-Fritzen lässt er am Leben, als er die Gelegenheit dazu hätte, ihn auszuschalten?!?!?!!? :shock:
Wo sind die Origami-Figur-Hinweise in der Schachtel des Ladenbesitzers? Hat er sie absichtlich entfernt, da er die Prüfungen nicht lösen konnte?
Zudem: Der einzige Charakter, der mir symphatisch war, stellt sich plötzlich als der Mörder heraus. Netter Twist zwar, aber in sich wie gesagt völlig unlogisch und für mich nicht mehr nachvollziehbar. Wenn der einzige Char, mit dem ich mich identifizieren kann zudem ein Serienkiller ist, spricht das entweder stark gegen mich oder das Spiel selbst und ich entscheide mich für letzteres :mrgreen:
Das alles macht die Story für mich letztlich doch kaputt und damit auch das Spielerlebnis.


Kommen wir zur Frage aus dem ersten Post. Welches Spiel fesselt mich mehr, hat mich mehr gefesselt auf emotionaler Ebene?

Ok, gemeine Frage. Grim Fandango ist ein langsames Spiel, ein Spiel, das vom Lösen von Rätseln und den Dialogen im Spiel, sowie seinem Humor lebt. Heavy Rain hingegen...moment mal. Es ist stellenweise ebenso langsam. Es dreht sich im Prinzip ebenso um ein gigantisches Rätsel, das zu lösen ist und da es filmische Allüren hat, setzt es genauso auf Dialoge. Achja, ich hatte ja schon vermutet, die beiden Spiele würden einige Ähnlichkeiten haben und wollte sie auch daher vergleichen. Trotzdem überrascht mich, wie sehr das auch stimmt.
Hm...die Antwort fällt mir trotzdem oder vielleicht gerade deswegen (?) unheimlich leicht, viel leichter, als ich gedacht hätte.
Heavy Rain hat seine Stellen und manchmal ist die Hektik und Anspannung, die man als Spieler erfährt schon relativ einzigartig, wenn ich auf meine Zocker-Historie zurückblicke. Aber: Trotz allem fehlt dem Spiel der Charme. Es fehlt im vorallem auch die Rafinesse. Zwar vollbrachte es das Spiel, mich über die Story hinweg mehrfach zu täuschen, aber doch am Ende nur, weil es geschummelt hat und nicht nach seinen eigenen Regeln, seiner Logik spielte. Das ist ein starkes Ding für mich. Eine Welt muss ihren eigenen Gesetzen gehorchen, um glaubhaft für mich zu sein. Die von Heavy Rain ist das leider nicht.
Im Prinzip komme ich mir sogar ein wenig veralbert vor, trotz der Tatsache, dass ich Spaß während dem Spielen hatte. Letztlich waren die Charaktere irgendwie auch blass. Hinter all den nett animierten Gesichtern von echten Schauspielern konnte ich selbst nicht sehr viel finden, das ich lieben oder hassen konnte.
Wenn ich aber dieser Tage wieder die Grim-Fandango CD ins Laufwerk schiebe, dann weiß ich genau: Ich bin zu Hause, hier bin ich willkommen, hier nimmt man mich ernst und wenn das Spiel mich verulkt, kann ich genauso drüber lachen, weil es mich dennoch ernst nimmt.

Ich mage alte Spiele. Das liegt nicht nur an ihrem Nostalgie-Wert oder der Tatsache, dass ich zum Teil Kindheitserinnerungen mit ihnen verbinde. Heavy Rain schien mich irgendwo auf einer Ebene anzusprechen, mich zu locken. Aber letztlich konnte es die Erwartungen nicht erfüllen. Vielleicht auch, weil ich selbst falsche hatte. Ich bin auch zu sehr der Typ, der immernoch hofft, glaube ich langsam.

Ich hoffe darauf, wieder in einer Spielewelt, wie der von Morrowind herumzulaufen, bekomme aber Oblivion.
Ich hoffe darauf, wieder einen Kerl wie Guybrush Treepwood auf seinen Abenteuern begleiten zu dürfen, bekomme aber Solid Snake oder Max Payne.
Ich hoffe wieder einem so gewitzten und coolen Jungen, wie Commander Keen zu begegenen, auf meinem Pogo-Stick gegen einäugige Aliens zu kämpfen und Kartoffel-Soldaten zu entkommen, aber man gibt mir namenlose Marines aus Halo.
Wenn ich an Prince of Persia denke, denke ich an einen Kerl, der über Abgründe springt, seinen Säbel gegen Häscher des Sultans schwingt und sich die Flasche ohne Gift aussuchen muss, nicht an einen, der Wasserfälle einfriert und an ihnen hochklettert.


Und wenn ich an Spiele mit Herz und Seele denke, dann an Grim Fandango und nicht an Heavy Rain. :)

Nicht alles, was alt ist war gut und nicht alles, was neu ist, ist schlecht. Spiele wie Bioshock haben mir bewiesen, dass noch nicht alle Hoffnung verloren ist. Aber für die wahren Perlen muss man einfach zurückschauen, da lege ich mich fest. Aber aufgeben, das werde ich deshalb nicht. Deswegen suche ich demnächst bei Lust und Laune auch sicher nochmal zwei weitere Exemplare aus meinem Schrank aus, eines frisch, das andere leicht gilbich mit zerknittertem Inlay, steck sie in die Laufwerke und schau einmal, in welche Welt es mich diesmal verschlägt und wo ich lieber verweile.

Bis dahin
Der Plati :D
Spoiler:
"Oh Manny! Wie Zynisch! Was ist bloß passiert, dass du deine Lebensfreude verloren hast?"
"Ich bin gestorben!"


Die Karikatur ist eine Huldigung, welche die Mittelmäßigkeit dem Genius darbringt.

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